
Über Georg
Nicht als Berater gegenüber. Als Fahrlehrer, auf dem Beifahrersitz. Das prägt bis heute, wie ich mit Menschen bin.
Ich hatte eine Fahrschule. Nicht irgendeine, die etwas andere. Mit einem Clubraum unten im Keller, siebzig Quadratmeter, Billardtisch, Musik, Licht. Die jungen Leute hatten ihren Führerschein längst und kamen trotzdem jeden Freitag.
Irgendwann kam die Gemeinde vorbei. Die hatten einen Jugendtreff, in den niemand mehr ging. Sie haben gefragt, was ich anders mache.
Was ich in diesen Jahren gelernt habe, hat mit Autos nichts zu tun. Menschen erzählen dir auf engem Raum Dinge, die sie sonst niemandem erzählen. Nicht weil du klug bist. Weil du neben ihnen sitzt und nicht gegenüber.
Verantwortung
Einundzwanzig Jahre eigener Betrieb, sieben Filialen, bis zu dreißig Mitarbeitende und ein eigener Verkehrsübungsplatz. Davor und danach saß ich als Fahrlehrer im Auto.
Ich kenne Verantwortung für Menschen, deren Arbeitsplatz von meinen Entscheidungen abhing. Ich kenne wirtschaftlichen Druck. Und ich kenne die Einsamkeit, die daraus werden kann, wenn man beides niemandem zeigt.
Dann habe ich Schritt für Schritt alles verkauft. Bis 2014 war nichts mehr übrig. Und 2016 lag ich sieben Wochen auf der Intensivstation, weil ich als Angestellter genauso weitergemacht hatte wie vorher.
Das ist der Teil, den ich niemandem ersparen kann und trotzdem erzähle: Die Firma abzugeben hat mich nicht gerettet. Ich musste mich ändern, nicht meine Umstände.
Was heute anders ist
Ich mache, was mir guttut, und lasse mir nichts mehr aufdiktieren. Das klingt nach wenig. Es hat alles verändert.
Und andere sind gekommen. Ich umgebe mich nur noch mit Menschen, die mir wirklich guttun. Das war der schwerste Teil.
Vor nichts. Das ist keine Haltung, die man sich vornimmt. Sie bleibt übrig, wenn man einmal ganz unten war.
Wie ich arbeite
Ich bin dein Wegbegleiter. Kein Lehrer, der dir sagt, wie es geht, und niemand, der dich behandelt. Jemand, der neben dir sitzt und zuhört, ohne zu bewerten.